Quarter Life Crisis
- Alina Pfundstein
- 21. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

„Die Zeit dazwischen“ beschreibt den Lebensabschnitt, in dem ich mich befinde, ziemlich gut. Die Frage ist nur, zwischen was? Vielleicht zwischen Geburt und Tod, Kindheit und Erwachsensein, zwischen Wege Suchen und eben diese Gefunden Haben.
Lange hatte ich Angst vor dem Dazwischen, weil es für mich eine Art des Undefiniertseins widerspiegelt. Um mein Unbehagen hinsichtlich dieses Zustands aus dem Weg zu räumen, kam in mir die Frage auf, über was ich mich definieren kann. Über meine Gedanken und Gefühle, über die Dinge, die ich besitze oder die Handlungen, die ich vollbringe?
Die Sehnsucht danach, mich definieren zu können, rührt wahrscheinlich daher, dass ich mich mein ganzes Leben irgendwie verloren gefühlt habe. Ich war stets auf der Suche nach meiner Nische, da ich gehofft hatte, dass ich dann ein Gefühl von Orientierung und Zugehörigkeit verspüren würde. Ich ließ mir von Internet-Trends sagen, wer ich bin, anstatt selbst nach mir zu suchen.
Letztendlich war ich noch mehr verloren als zuvor. Hin- und hergerissen zwischen unendlich vielen Optionen. Ein Merkmal meiner Generation: zu viel Auswahl. Die Freiheit und der Fluch zugleich, alles sein zu können.
Möglicherweise basiert die Lösung auf der Tatsache, dass es auf die Frage nach der eigenen Identität keine eindeutige Antwort gibt - und einem gut geraten ist, das so schnell wie möglich zu akzeptieren. Was demnach kennzeichnend für das Leben im Dazwischen ist, ist die Fähigkeit Ambivalenzen auszuhalten, denn es verläuft meistens in einem Sowohl-als-auch-Modus. Mittlerweile arbeite ich nicht mehr daran, eine Antwort auf die Definitionsfrage zu finden, sondern daran, meine Einstellung bezüglich des Schubladendenkens zu ändern. Dieses ist zwar unkomplizierter, aber fernab von der Realität. Das Persönlichkeits-Spektrum ist unglaublich groß, mit scheinbar unendlich vielen Zwischenwerten.
Ich bin mir sicher, dass es da draußen Menschen gibt, die ohne großen Aufwand, womöglich sogar unwissentlich, eine Nische für sich entdeckt haben. Jedoch bin ich mir fast genauso sicher, dass es auch viele nischenlose Menschen wie mich gibt. Keine der beiden Varianten ist dabei besser oder schlechter als die andere.
Um meinen Frieden mit dem Undefiniertsein zu schließen, versuche ich mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass es gut sein kann, Vieles zu sein. Es bedeutet, nicht vorhersagbar zu sein und bietet die Möglichkeit, sich stets neu zu erfinden.
Vielleicht besteht das Leben daraus, sich kontinuierlich entlang eines Spektrums zu bewegen. Wie ich das bewältigen kann, weiß ich noch nicht.
Was ich inzwischen weiß, ist, dass das zweite Jahrzehnt im Leben eines Menschen geprägt ist von Umbrüchen. Der Abschluss der Berufsausbildung oder des Studiums, der Auszug aus dem Elternhaus, der Beginn oder auch das Ende einer Partnerschaft.
Es scheint so, also müssten wir in diesem furchtbar kurzen Zeitrahmen die Weichen für unser gesamtes Leben stellen. Uns festlegen, ohne Korrekturzug. Aber wer hat bestimmt, dass es keine Wendemöglichkeit gibt? Natürlich ist das Ganze leichter gesagt, wenn man auf seine Zwanziger zurückblickt, statt wenn man gerade mittendrin steckt. Meinem jüngeren Ich würde ich raten, die 20er als einen Prototyp und nicht als Endprodukt zu betrachten. Dann wird einem schnell bewusst werden, dass nach einer gewissen Testphase stets eine Möglichkeit auf Anpassung besteht.
Alles, was es dazu braucht, ist sich selbst die Erlaubnis zu erteilen, Fehler machen zu dürfen, seine Meinung zu ändern, von vorne anzufangen und auch mal im Dazwischen zu leben.
Alina Pfundstein, 26, ist gelernte Industriekauffrau und hat 2025 ihr BWL-Studium beendet. Mittlerweile arbeitet sie in einem mittelständischen Unternehmen im HR-Bereich. Privat mag sie alles, was mit Kreativität zu tun hat - Schreiben, Zeichnen, Tanzen.



